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Umwelt...

Nichtlineare Prozesse formen unsere physische Umwelt...

 

Wir erklären dir Nichtlinearität anhand eines Beispiels aus der physischen Geographie, genauer aus der Geomorphologie. Ein Charakteristikum vieler geomorphologischer Systeme ist, dass sie sensibel gegenüber kleinen externen Veränderungen sind und dabei oft disproportional stark auf diese Veränderungen reagieren. In anderen Worten: Sie reagieren viel stärker oder viel schwächer als der Auslöser vermuten lässt. Ein anschauliches Beispiel findet sich in der Geomorphologie von Flusssystemen. Sieh dir dazu die folgende veränderte Funktion mäandrierender Flüsse nach Thornes [1] an und versuche, dir das Modell vorzustellen. Demnach können Flusssysteme verwildern oder sie mäandrieren. Was davon passiert, hängt primär von der Neigung des Flussbettes (y) und dem Abfluss (x) ab.

Diagramm.jpg

Wenn die Diagonale als Resultat einer Änderung der Neigung oder des Abflusses überschritten wird, verändert sich die gesamte Flussmorphologie. Bei Punkt B ist das System relativ stabil, da große Veränderungen notwendig sind, um den Zustand desselben zu verändern. Unter Punkt A oder nahe der Diagonalen bedarf es jedoch nur einer minimalen Veränderung der Variablen und das gesamte System entwickelt sich von einem mäandrierenden zu einem verwilderten Fluss [1]. Je nach Entfernung von einem Schwellenwert kann also eine geringfüge Veränderung des Abflusses oder der Steigung ein Mäandrieren des Flusses auslösen, wohingegen im anderen Fall auch eine große Veränderung das Systemverhalten nicht verändert.

Kurz gesagt: Über die Intensität der Veränderung kann man keine Schlüsse auf die Intensität der Auswirkung machen!

 

Die nächste Seite gibt dir einen Vorgeschmack darauf, wie gesellschaftliche Prozesse erklärt werden können.

 

[1] Vgl. Thornes, John B. (2009²): Time: Change and Stability in Environmental Systems. IN: Clifford, Nicholas; Sarah Holloway; Stephen, Rice und Gill, Valentine (Hrsg.): Key Concepts in Geography. London: SAGE Publication. Seite 123 f. [Bildquelle] Funktion mäandrierender oder verwilderter Flüsse. Stefanie Preiml 2015, verändert nach Thornes [1].