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Das Ganze ist mehr...

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile”

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Diese berühmte Erkenntnis von Aristoteles passt perfekt zur Beschreibung von Emergenz. Auch wenn sie damals, also etwa 300 v. Chr., die Metaphysik beschreiben sollte, bekommt sie heute mit der Theorie der Nichtlinearität wieder Aktualität. Denn was können wir dort herauslesen? Die Emergenz, die neue Struktur oder die neue Eigenschaft ist eben etwas völlig qualitativ Neuartiges und kann nicht aus den einzelnen Elementen des Systems hergeleitet werden, sondern ist erst durch einen Prozess des Wirkens aller Teilelemente zusammen entstanden [1]. Es handelt sich daher um ein irreduzibles Phänomen - die emergente Eigenschaft ist nicht durch die Reduktion auf deren Einzelteile erkennbar.

 

Ein simples Beispiel dazu: Ein Wald reguliert durch Kronendach und Wurzelsystem die Erosion des Bodens. Ein Baum allein könnte dies nicht bewirken. Zwei oder 20 Bäume vielleicht auch noch nicht. Wann ist nun ein Wald ein Wald? Es braucht für Emergenz also auch eine bestimmte Mindestanzahl oder Grenzzahl von Elementen, die je nach System variieren [2]. Und dabei muss es keinesfalls immer eine große Anzahl sein. Unser linkes und unser rechtes Auge verfügen jeweils über genau die gleichen Eigenschaften und zusammen ermöglichen sie uns das räumliche Sehen als neue emergente Eigenschaft.

 

Wissenschaft und Theorie kann doch in der praktischen Anwendung so spannend sein!

Versuchen wir nun noch weitere, im Speziellen geographische Beispiele für Emergenz zu finden!

 

[1] Vgl. Egner, Heike (2008): Gesellschaft, Mensch, Umwelt - beobachtet. Ein Beitrag zur Theorie der Geographie. Stuttgart: Franz-Steiner Verlag. Seite 76.[2] Vgl. Sedlacek, Klaus-Dieter (2010): Emergenz: Strukturen der Selbstorganisation in Natur und Technik. Norderstedt: Books on Demand GmbH. Seite 46f.[Bildquelle] Hochwald in der Morgensonne_ Foto/ Bild: Volker Wittmann Lizenz: http://www.volkersworld.de/2011/09/24/herbstzeit/taunus012/.